Die Post bringt allen was – außer in Panama

Post in Panama

Während weltweit Postgesellschaften mit originellstem Service ihre Kunden gegen E-Mail und Privatdienstleister zu verteidigen versuchen, befindet sich die Post in Panama in einem recht trägen Zustand. Zauberhafter Schlummer erfüllt die Postämter, der selbst Dornröschen mitten im REM noch hochproduktiv wirken lässt. Warum hinkt die Post in Panama derart nach? Die Post verheddert sich irgendwo in den Rosenbüschen der einzigartigen Zettelwirtschaft und wird grundsätzlich nicht ausgetragen. Ab die Post!

Im Postamt: Beim Betreten des Raumes bemerkt man gleich, hier steht weniger die Post, als viel mehr das Amt im Mittelpunkt. Auf die Scheiben des aufgrund des staubigen Holzes irgendwie an Wild-Western-Salon-Stimmung erinnernden Schalter sind in geschwungenen Buchstaben die verschiedenen Erledigungen gepinselt, für die der jeweilige Postangestellte zuständig ist. Mit einem tiefen Seufzer nimmt sich dieser der Belange seiner Kundschaft an.

Die Post wird in Panama nicht an die Haushalte ausgetragen, stattdessen muss man regelmäßig beim Postamt seines Vertrauens vorbeischauen und nachfragen, ob denn nicht zufällig etwas auf den eigenen Namen gekommen ist. Dies wird umgehend geprüft, wenn auch nicht gerade mithilfe des auf dem Schreibtisch stehenden Computers, sondern händisch. Sprich, die Dame auf der anderen Seite der Scheibe blättert einfach alle Briefe und Postkarten, die an Menschen mit dem selben Anfangsbuchstaben geschickt wurden, durch, mal sehen.

Handelt es sich um ein erwartetes Paket, geht die Sache etwas schneller. Da müssen dann nämlich nur die zusammengehefteten Paket-Formulare der letzten Wochen durchgesehen werden. Geht die Suche erfolgreich aus, möge sich der Kunde bitte zum nächsten Schalter bewegen, wo er 20-Cent für jeden Tag bezahlen muss, den die Post das Packerl nach der 6-Tages-Frist aufbewahrt hat.

Dann verschwindet die Dame für geraume Zeit irgendwo im hinteren Bereich des Postamtes, vermutlich um das Päckchen aus einer Art feuchten Verlies zu bergen. Damit noch nicht genug, weiter durch das schmiedeiserne Tor in den Paket- und Zollbereich des Amtes. Dort sitzen zwei Menschen hinter Schreibtischen gelangweilt herum, leider aber gerade nicht die Angestellte, die für mich zuständig wäre.

Nach 15 Minuten stehender Wartezeit (der eine Postler hat mittlerweile sein Kreuzworträtsel aufgegeben und ist zur Bilderfehlersuche übergegangen, während seine Kollegin endlich ihren seit Wochen vermissten Lieblingskugelschreiber wieder gefunden hat) taucht dann das Fräulein vom Zoll auf.

Sie fragt mich, was im Paket sei. Ich sage ihr das ich es nicht weiß. Sie stellt fest, dass wir am besten einfach nachsehen und drückt mir einen Cutter in die Hand. Hurra, Bescherung. Es ist Schokolade. Vermutlich erleichtert darüber, dass es sich nicht um Drogen, Waffen oder Pelzmäntel handelt, meint sie, dass ich es problemlos einführen dürfe, da es ja für meinen persönlichen Konsum sei (10 Tafeln Schokolade, bin ich das Schoko-Monster?). Ich packe die Beute wieder in die Schachtel und gehe. Bis zum nächsten Mal.

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