Auf Mission in El Valle

In Loma Grande geht die Sonne auf | Panama

In der vergangenen Karwoche machte sich eine Delegation Schüler mit zwei Religionslehrerinnen und einer Schwester auf zur Mission in die gebirgige Region um El Valle. Ich durfte sie auf dem Trip fernab der Zivilisation begleiten und bin noch immer ganz beeindruckt von der herrlichen Landschaft und der Tapferkeit ihrer Bewohner.

Kirche in El Valle | Panama

Am Mittwochmorgen fuhr der Bus ab, vollgestopft mit Gepäck und einer fröhlichen Schar Jugendlicher auf dem Weg nach El Valle. Zuerst ging es ein Stück den Panamerikanischen Highway entlang, danach bog der Bus in eine sich die dicht bewachsenen Hügel der Provinz Coclé hinaufwindende Strasse ab.

Nach kurzer Zeit reißt mich ein Schrei aus den Gedanken: Wir sind gerade über den Rand des panamaischen Handynetzes hinausgefahren, die Schülerin steckt genervt ihr Blackberry in die Hosentasche. Das war´s vorerst mit Chatten. Nach und nach verweigern alle panamaischen Netzbetreiber ihren Dienst und sind erst in der nächsten grösseren Siedlung, nämlich El Valle, wieder erreichbar.

In El Valle, einem eher verschlafenen, aber recht charmanten Nest, wechselten wir das Verkehrsmittel: Für die nächste Etappe war ein geländegängigeres Fahrzeug vonnöten. Ein Pickup transportierte uns mitsamt dem Gepäck in die Hochlandwildnis zur Kapelle und Schule von Loma Grande, Unterkunft und Ausgangspunkt für die Missionsarbeit. Strom gibt es hier keinen, das Klo führt spülungslos direkt nach unten. Vereinzelt befinden sich in der Umgebung andere Häuser – zwischen zehn und 60 Gehminuten entfernt.

Hütte im Nirgendwo | Panama

Für die nächsten Tage wurden die jungen Missionare in zwei Gruppen geteilt. Ein Trupp zog vormittags los um mit den Menschen der Umgebung Kontakt aufzunehmen und sie zu den Messfeiern sowie Aktivitäten für Kinder und Jugendliche einzuladen, die in der Kapelle täglich stattfanden. Team Nummer marschierte am Nachmittag. Da die Bewältigung der Distanz zwischen zwei Häusern auch gerne mal mehr als eine Stunde in Anspruch nahm, war man schon froh, innerhalb einer Halbtagstour mehr als fünf der hüttenähnlichen Bauten erreicht zu haben.

Über Stock und über Steine | Panama

Die Wanderungen boten stets unmittelbare Entschädigung: Auf dem Trampelpfad durch den Urwald, entlang schattiger Flüsse oder über die Kuppen der Hügel tat sich vor unseren Augen ein bewundernswertes Naturschauspiel auf. Die Menschen in ihren Holz- und Ziegelhäusern empfingen uns mit offenem Herzen und boten uns zur Stärkung trotz ihrer eigenen Armut, was sie hatten: Ein Getränk aus Haferflocken, frische Orangen vom Baum, Zuckerrohr oder eine Banane.

Librada und Luis kennen sich aus | Führer

Damit wir uns auf den weiten Wegen durchs Dickicht nicht verliefen, standen uns ausgezeichnete Führer zur Seite, nämlich Kinder der Familien, die die Mission beim letzten Besuch vor wenigen Jahren kennengelernt hatte. Die Buben und Mädchen müssen jeden Tag einen langen Fussweg auf sich nehmen um überhaupt zur Schule gelangen zu können und sind in diesem unübersichtlichen Fleckchen Erde wahre Navigationsgeräte. Wann immer der Trupp zum Stehen kam, weil einer von uns mitten in der Steigung um eine Verschnaufspause bettelte, drehte sich die acht- bis zwölfjährige Reiseleitung um und starrte uns verstört an. Wie jetzt, ihr seid schon erschöpft? Wir laufen das jeden Tag, bei jedem Wetter.

Das Osterfeuer brennt | Kapelle von Loma Grande

Abends versammelten sich die Menschen, die unserer Einladung gefolgt waren zur Feier in der Kapelle. Danach war für die fleissigen Wanderer Entspannung redlich verdient, wobei sich nicht alle Schüler mit den Gegebenheiten vor Ort anfreunden konnten: Den einen war das Duschwasser viel zu kalt, wieder andere weigerten sich zu essen, eine Schülerin brachte es sogar zustande sich beim Benützen des Plumpsklos (wovon sie fortan ebenfalls Abstand nahm) einen Fingernagel einzureißen. Kurzum: Der panamaische Nachwuchs wurde so richtig mit Natur konfrontiert.

Die Tage waren für alle die dabei waren eine schöne Erfahrung, haben aber auch jede Menge Kraft und Insektenschutzmittel gekostet. Die kurze Zeit in einer so ärmlichen und einfachen Umgebung lehrt, die eigene Situation mehr zu schätzen. Die Menschen in der Gebirgsgegend nehmen einen weiten Weg auf sich um zur Schule oder zum Arzt zu gelangen und leben unvergleichbare Tapferkeit und Ausdauer vor.

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Eine Antwort zu “Auf Mission in El Valle

  1. Sooo lange täglicheSchulwege sind sogar mir zu lang. – Ausserdem bin ich schon bei Blindschleicherln zu schrecken. Wer weiß, was in El Valle alles krabbelt. Also Ausdauer und Tapferkeit wären bei mir auf Probe gestellt.

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