Seien Sie froh, dass ich nicht sein Opa bin!

Ein Opa in Panama

Das Colegio Bilingüe María Auxiliadora ist eine Privatschule in Panama und Privatschulen heben in der Regel Schulgebühren ein, klar soweit? Nicht für einige der Eltern, die im Zuge der Einschreibung ihrer Kinder auch mal bei mir in der Buchhaltung der Schule vorbeimüssen. An dieser Durchreiche (Schalter mit Sprechloch) ist nämlich die Schulgebühr zu entrichten ist. Nachdem schon über die Hälfte der Schüler eingeschrieben ist, hat man eine Menge Eltern zu Gesicht (und vor allem zu Gehör) bekommen. In der Regel sind die Damen und Herren sehr unkompliziert bis freundlich, andere kann man auf den ersten Blick durch die Glasscheibe getrost in eine der folgenden Kategorien legen (was man natürlich nicht tut):

  • Der Zeitlose (alias: der Hektische): Redet viel, wenn auch nur mit seinem Gesprächspartner am Telefon. Fühlt sich geistig nicht anwesend und hat auch nicht vor, seine körperliche Präsenz am Schalter lange aufrecht zu erhalten. Daher: Schnell, schnell und bitte keine Frage stellen.
  • Der Taschenrechner: Rechnet alles nach, dreifach und vierfach. Sucht Fehler in der von vorgegebenen Listen abgeschriebenen Gebührenaufschlüsselung und hätte auch gerne die hypothetischen Kosten für die Einschreibung eines imaginären Brüderchens vorgerechnet, man weiß ja nie. Benötigt außerdem Belege, viele Belege.
  • Der Erbsenzähler (alias: der Geldfälscher): Bringt die dreistellige Schulgebühr entweder in 1-Dollar-Banknoten (liebevoll gebündelt und beschriftet) oder 100-Dollar-Noten, die wegen der Fälschungsgefahr nur nach einem umständlichen Prozedere akzeptiert werden können. Häufigste Aussage: Zählen Sie lieber nach!
  • Der Unwissende (alias: der Neunmalklug): Glaubt alles und gar nichts zu wissen. Möchte trotz um Monate verspäteter Zahlung, die von der Schulleitung vorgeschriebenen Zinsen nicht bezahlen und verschiebt Fristen generell nach Gusto um ein paar Wochen. Wünscht keine Aufklärung, bloß nicht.
  • Ganz neu ist Der Betrüger. Dieser Typ bezahlt die monatlich anfallenden Schulgebühren nicht und versucht das mit offensichtlich gefälschten Zahlungsbelegen zu vertuschen. Dummerweise tragen unsere Zahlungsbelege tragen normalerweise Unterschrift. Und Stempel. Und unsere Handschrift.

Zusätzlich lässt sich jeder Typ mit Dem Choleriker kombinieren. Besonders spannend war daher ein unwissender Erbsenzähler mit hohem Blutdruck, der nachdem ich auf der Zahlung der Schulgebühr inklusive Verspätungszins bestehen musste, brummte: “Seien Sie froh, dass ich nicht sein Opa bin [sondern der Vater des Schülers]. Der hätte das nämlich nicht bezahlt.” Der hätte dann aber auch eine andere Schule für sein Enkerl suchen müssen.

Und dann war da noch die hektische Hobbyschauspielerin, die, als sie in dieselbe Situation geriet, eine sehr dramatische Vorstellung lieferte: “Ihr [die Schule] missbraucht uns ja! Das lasse ich mir nicht gefallen, ich beschwere mich beim Bildungsministerium!” Der Rest der Szene ging an meinen sprachlichen Fähigkeiten leider vorbei, es klang nämlich schon sehr spannend.

Wie eingangs erwähnt sind die meisten Eltern sehr umgänglich, hin und wieder sogar an der offenbar fremden Kultur ihres Gegenübers interessiert. Das macht die Arbeit, die während der Einschreibungen (matrículas) der Schüler im administrativen Bereich der Schule anfällt, sogar ganz abwechslungsreich.

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