Im eigenen Zimmer bestohlen!

Wachfrosch | Panama

Manchen Leuten läuft im Konsumwahn das Geld zwischen den Fingern davon. Andere glauben an Geister. Auf mich trifft beides nicht zu, weshalb ich stutzig wurde, als mein als Geldaufbewahrungsplatz dienendes Ex-Erdnussbutter-Glas in den letzten Wochen ganz von alleine auf Entschlackungskur ging und bei jedem mal Nachsehen weniger Plata enthielt. Bestiehlt mich da wer? Stacheldraht und bewaffnete Wächter erfordern einen recht originellen Einbruch ins Schulgelände, sodass nur eine Möglichkeit übrig blieb: Der Dieb stammt aus den eigenen Reihen.
(Warnung an Buchstabenallergiker: Sehr viel zu lesen). 

Der Kreis der Verdächtigen hält sich beschränkt, außer meinem Zivikollegen, dem Wachmann und den Salesianischen Schwestern – die wohl alle nicht in der Verbrecherkartei landen –  laufen in der aufgrund der panamaischen Sommerferien geschlossenen Schule nur vier ganzjährig angestellte Arbeiter umher. Jene vier Panamaer sind seit fast vier Wochen mit Umbauarbeiten beschäftigt – praktischerweise im Kindergarten, wo auch unser Zimmer liegt. Sollte wirklich einer von den jungen Männern, mit denen man tagtäglich über Belangloses redet, zum Langfinger geworden sein? Oder waren es gar alle vier im Komplott?

Vorgestern begann ich dann dem Geheimnis der entführten Geldscheine auf die Spur zu kommen. Webcam und gratis Überwachungssoftware machten den Laptop zur Bespitzelungsmaschine, prominent platzierte Ein-Dollar-Scheine sollten zum Näher- und somit in die Kamera treten verlocken. Mit der Ankündigung in die Stadt zu fahren, verließen mein Kollege und ich die Schule. Bei der Rückkehr waren die ausgelegten Scheine verschwunden, die Falle hatte zugeschnappt.

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5 Antworten zu “Im eigenen Zimmer bestohlen!

  1. Andreas Schwaighofer

    Lieber Simon,

    deine Fragerunde an die 3 Mitarbeiter („Rechtsbelehrung“, „kurzes Brainstorming“ etc.) fand ich super!
    Dein letztes Kommentar in Klammer trifft die Situation schon ziemlich auf den Punkt. Gute Miene oder Unschuldsmiene zum bösen Spiel. Leider sind die Panamaer manchmal so. Wobei man sich ja wirklich nicht denken kann, dass das in der Schule passiert. Draußen passt man sowieso von Vornherein besser auf.

    Ich finde deine Lösung nicht schlecht. Sollte dir aber einmal auffallen, dass Bert weiterhin Gelder veruntreut oder ähnliches, würde ich mit den Schwestern reden und sie sollen ihn rauskicken, weil so jemand hat in der Schule wirklich nichts verloren.

    Ehrlich gesagt bin ich froh, dass es zumindest so aussieht, dass die anderen 3 Arbeiter unschuldig sind – immerhin habe ich sie gut gekannt und bin mit ihnen bestens ausgekommen. Denen hab ich auch voll vertraut.

    Jedenfalls hoff ich, dass du trotz allem für die Zukunft nicht allzu misstrauisch gegenüber den Panamaern gestimmt bist, denn ich hab die Erfahrung gemacht, dass man dadurch doch auch interessante Diskussionen und Begegnungen nicht mehr so schnell erlebt.

    Ten‘ cuidado, pero no demasiado!

    • Hallo Andi,
      das ist jetzt schon ein bisschen spät, aber trotzdem vielen Dank für deinen Kommentar. Wie es aussieht, ist alles gut ausgegangen: Die anderen Arbeiter haben die Anlegenheit ohne mein Wissen – von meinem Einverständnis ganz zu schweigen – zu Sor Liseth getragen und die hat in Abstimmung mit der Direktorin schnell reagiert: Bert wurde gekündigt und das Geld, das er mir gestohlen hat, hat man ihm vom letzten Lohn abgezogen.

      Interessanterweise erzählt mir jetzt jeder hier am Gelände abenteuerliche Geschichten von den Sachen die Bert im Laufe seiner kurzen Karriere mitgehen lassen haben soll (vom Kleingeld bis zum Standventilator). Es war also allgemein bekannt, dass Bert stiehlt, nur bis zu uns Zivis war das verständlicherweise nicht vorgedrungen.

      Grüße aus Panama!
      Simon

  2. Wahnsinn Simon! Was dir alles passiert!!

    Ich hoffe sehr, dass der Bert das Geld wirklich zurückzahlt und auch nicht mehr stiehlt. Sollte ihm eine Lehre sein!

  3. Hey Simon … ich les deinen Blog echt gern 🙂 du schreibst herrlich!! – auch wenn das Thema etwas unangenehm zu sein scheint … Hiermit ein paar schöne Grüße an dich – und wenn du willst kannst du auch ein paar an das schöne Land verteilen… vl komm ich es irgendann in meinem Leben mal besuchen, nach allem was ich so lese scheint es sehr interresant zu sein 😉
    hug
    Hester

    • Hi Hester,
      schön, dass du mir die Ehre erweist. Du bist jederzeit herzlich eingeladen, auf eine Mango-Ananas-Papaya-Jause vorbeizuschauen!

      Was den Diebstahl angeht, habe ich jetzt erfahren, dass der betreffende Herr nicht mehr länger in der Schule arbeitet. Bevor er mich finanziell erleichtert hat, hat er schon alles Mögliche mitgehen lassen (Wertsachen der Maler, die Schriftzüge am Schulgebäude nachziehen, herumstehende Standventilatoren).

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