Aktion Weihnachtskekse für Panama

Kekse für Weihnachten, auch in Panama

Wie ich im letzten Beitrag schon anklingen ließ, ist der Advent in Panama nicht besonders prickelnd. Um Weihnachten wenigstens ein bisschen zu einem europäischen Weihnachten zu machen, habe ich heute den Backofen angeworfen (soll heißen, das hat unsere Köchin für mich übernommen, der Gasherd und ich haben gleich von Anfang an festgestellt, dass wir nicht zusammenpassen). Vanillekipferl um den 9. Breitengrad, ob das gut geht? Ein Weihnachtsmärchen aus Panama:

Der Mürbteig ist ja eigentlich ein dankbares Gemisch: Schnell hergestellt, vielseitig verwendbar. Sofern man alle Zutaten hat, denn damit beginnt die Odyssee. Seit ich seit einer Woche in der Buchhaltung der Schule arbeite, hatte ich keine Zeit um einkaufen zu gehen. Dummerweise geht nämlich die Sonne um halb sieben auf einen Schlag unter und dann sollte man sich zu Fuß nicht mehr zu weit aus dem sicheren Gelände wagen. So habe ich heute die Personalschwester gefragt, ob ich mir das Auto der Gemeinschaft ausleihen darf, um schnell zum Supermarkt zu fahren (ich will nicht behaupten, dass man in einem Auto in Panama grundsätzlich sicherer ist, als draußen).

Wie ich da so den Hügel hinuntertuckere macht sich das fehlende Kühlwasser bemerkbar. Kein gutes Zeichen, wenn man die steigende Bewegung der Temperaturanzeige mit bloßem Auge mitverfolgen kann, oder? Nach der halben Strecke ist auch der Zeiger schon auf halber Höhe, klingt fair, dann schaffe ich es wenigstens noch bis zum Geschäft. Technisch bewanderte Menschen überlesen bitte einfach die letzten zwei Sätze.

Im Einkaufstempel herrscht natürlich vorweihnachtlicher Hochbetrieb. Das macht es nicht einfacher Backzutaten zu finden, eine Produktgattung, die sich hier in Panama ohnehin nicht gerade in ihrer Blüte befindet. Staubzucker gibt es nicht, ungesalzene Butter ist ebenso wenig aufzutreiben. Dafür wird Kochschokolade angeboten, wenn auch nicht ganz billig. Mit den Schätzen schlängelt man sich zur Kassa, wo wieder Warten angesagt ist.

Zurück in der Gemeinschaft (das Auto hat übrigens brav durchgehalten) will der Teig bereitet werden. Da es schon auf acht Uhr abends zugeht, soll das jetzt flott gehen, was ja auch ganz im Sinne des Mürbteiges ist, den man bekanntlich nicht zu lange kneten darf. Fertig, ich will gar nicht wissen, wie Mürbteig aus Salzbutter schmeckt, gleich in den Kühlschrank damit. Rasten.

Jetzt kann die Masse verarbeitet werden, was aber gar nicht so einfach ist. Bei den lauwarmen Abendtemperaturen in der nach außen hin teilweise offenen Küche fällt es schwer, aus dem Teig Kipferl oder auch nur irgendetwas zu formen. Die erste Partie ist bald fertig, mal sehen. Ja, das kann durchgehen. Das sieht auch die erste Schwester so, die zu meinem Backversuch zufällig dazustößt. So schnell kann ich gar nicht schauen, lädt sie die wenigen zu dieser späten Uhrzeit noch herumgeisternden Schwestern zu Kostproben ein.

Vanillekipferl (ohne Vanille, macht nichts) und Husarenkrapferl werden interessiert begutachtet. Selbst die Schwester, mit der ich bisher selten tief freundschaftliche Gespräche geführt habe, gibt zu, diese Art von Keksen zum ersten Mal zu sehen. Eine andere Schwester beginnt über die Kekse, das sie immer gemeinsam mit ihrer Mutter backen musste, nachzusinnieren. Das ist so lange gut, bis sie anfängt, meine Vanillekipferl, die eigentlich nur mehr auf den Ofen warten, wieder vom Blech zu nehmen und in das Gebäck aus ihrer Erzählung umzuformen.

Sie stellt schnell fest, dass ihr die Form bis heute nicht gelingen mag und gibt wieder auf. Zwei Minuten später steht sie mit einem Fotoalbum da und zeigt mir Fotos von ihrer Familie. Das finde ich sehr nett von ihr, aber da mir der Teig zunehmend schneller durch die Fingern rinnt, möchte ich doch lieber eines nach dem anderen machen. Die Schwester ignoriert meine Warnung und nimmt sich vom gerade fertiggebackenen Blech ein Kipferl. Gottseidank hatte sie ihr Fotoalbum dabei um das heiße Kekserl schnell abzulegen. Die Schwestern sagen gute Nacht und so kann ich ruhig weiterbacken. Durch zu viel Herumdrehen geht irgendwann der Gasherd aus und das letzte Blech wird nicht ganz durch. Macht nichts, weiß hier ja ohnehin niemand wie echte Kekse schmecken.

Um halb elf kommt die Direktorin und Oberschwester aus ihrem Büro und wirft, angelockt vom Keksgeruch, einen kurzen Blick in die Küche. Als ich eine halbe Stunde später gerade mit Aufräumen fertig bin, trudelt die Personalschwester mit den costa-ricanischen Rechnungsprüfern ein (zur Zeit werden in den Gemeinschaften die Bücher durchgesehen). Die bekommen natürlich auch ein Stück österreichischer Kultur, den Rest der Kekse nehme ich aber mit aufs Zimmer. Die Schwester zieht ein enttäuschtes Gesicht. Ich erzähle ihr, dass in Österreich die Eltern die Kekse vor den Kindern verstecken, damit sie nicht alle schon vor Weihnachten essen. Als ich hinzufüge: “In Panama bin ich es, der die Kekse versteckt …”, vervollständigt sie meinen Gedanken lachend:

“damit die Schwestern nicht alle essen”.

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5 Antworten zu “Aktion Weihnachtskekse für Panama

  1. Ich sage einfach nur mutig!! und guten Appetit!

    Irene

  2. Gelingen die Kipferl in Panama besser als zu Hause??- Dann komme ich auch zu euch und backe sie dort, denn mich f?eigeln sie immer. Das Kommen ist wirklich so gemeint! Freue mich schon!

    • Vorgesalzene Butter im Teig, zu lange im Warmen gestanden und trotzdem noch genießbar. Ich bin eigentlich ganz zufrieden, aber es ist wirklich eine Heidenarbeit. Da hat es letztes Jahr zu Dritt mehr Spaß gemacht, nächstes Jahr gibt es sicher wieder eine Keks-Session mit TV, oder?
      Und ich freue mich schon auf euren Besuch hier in Panama!

  3. haha 🙂 Vanillekipferl hab ich heuer auch gebachek 😀 …
    und wie schmecken die so ohne vanille und gesaltzen??

    • Gar nicht mal soo schlecht. Ich hab einer Familie vor Weihnachten welche geschenkt und die fragen heute noch, ob’s nicht noch mehr davon gibt. Haufenweise Zucker rein, dann fällt die fehlende Vanille gar nicht auf! Und die Zahnarztrechnung zahl ja nicht ich.

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