Logbuch des Käpt’n: Tag 33

Flagge auf dem Dach | Panama

Die Flagge von Panama

Schnapszahlen laden immer wieder zum Nach- und Zurückdenken ein. So hat mich auch die Dreiunddreißig darauf aufmerksam gemacht, dass ich nun schon seit über einem Monat in Panama weile. Dass die Zeit subjektiv schnell vergangen ist, werten die meisten als Zeichen von Wohlbefinden und Zufriedenheit. Dieser Einschätzung schließe ich mich an. Langweilig wird es deshalb aber noch lange nicht. Am Beispiel eines Supermarktbesuches.

Wir möchten mit Ihnen über Gott sprechen

Noch bevor überhaupt der Eingang in Sichtweite ist, wird man von drei adrett gekleideten Herren angesprochen. Die Unbekannten beherrschen ein ausgesprochen gutes Englisch, was für die panamaischen Verhältnisse an sich schon verdächtig genug ist. Aber auch sonst ist ein gesundes Maß an Misstrauen sicher nicht verkehrt, wenn drei Einheimische ohne ersichtlichen Grund vermeintliche Touristen anquatschen. Was man dem Trio zugutehalten muss: Sie haben erstens ihre Absichten schnell durchsickern lassen (etwa in dem Moment, in dem sie den „Wachturm“ verteilt haben) und waren zweitens realistisch genug, weiterzuziehen, als wir als unseren Brotgeber die katholische Privatschule María Auxiliadora nannten.

Fernsehen mit Fleisch

Hinein ins Getümmel! Der Supermarkt im Ort hat alles und noch mehr und ist den ganzen Tag über gut besucht. Um dem Andrang an der Fleischtheke Herr zu werden, wurde dieses lustige Nummer-zieh-und-wart-System eingerichtet. Während man also auf den Aufruf seiner persönlichen Bingo-Zahl wartet, kann man auf den Sitzbänken vor der Glasscheibe Platz nehmen und die Aussicht genießen. Wem das Bild zu langweilig wird, der hebt den Kopf ein Stück höher und lässt sich vom eigens an der gefliesten Rückwand der Fleischerei angebrachten Fernseher berieseln. Aber wachsam bleiben, man könnte jeden Moment dran sein!

200 Artikel später

Parkplatz des Machetazo | Panama

Parkplatz des Machetazo

Richtig zeitintensiv wird der Einkauf erst an der Kassa. Dort geht nämlich gar nichts weiter. Die Kassierinnen der gesamten Kassenreihe könnten es gemeinsam kaum mit einer einzigen Hofer-Mitarbeiterin aufnehmen. Auch die Flucht zur Express-Kasse bringt keinen Vorteil, denn offenbar ist das Schild „max. 10 Artikel“ nicht wirksamer als eine formelle Empfehlung der UNO. Während man sich also mehr und mehr in die Slow-Motion-Polonaise einpasst, muss schön langsam ein dezenter Abstellplatz für das Einkaufswagerl gesucht werden (siehe „Einkaufswagerl-Phänomen“). Als Wiedergutmachung für die lange Wartezeit, darf man an all den geheimnisvollen Vorgängen des Supermarkts hautnah teilhaben (Schichtwechsel an der Kassa, Austausch der Kassazettelrolle, bewaffneter Geldtransport). Wer zwischendurch in fremden Sphären schwebt, wird mit dem Erreichen des Kassabandes von den dort aufgestellten Mini-Panamaflaggen sanft daran erinnert, wo er ist: In einem Supermarkt, noch immer über 200 Artikel von der Kassierin entfernt.

After-Shopping-Versammlung

Auf dem Vorplatz des Supermarktes fällt eine Gruppe von Menschen ins Auge, die von Sackerln umringt dicht beisammen stehen. Tatsächlich handelt es sich hierbei nicht um Anti-Pelz-Aktivisten, die sich gerade zur Demo versammeln, sondern um Kunden, die beschlossen haben, Milch, Gemüse und Putzmittel mit dem Taxi nach Hause zu kutschieren und nun darauf warten, dass eine der gelb-schwarzen Kisten vorbeikommt. Die Taxistas der Gegend wissen das auch und frequentieren die Supermärkte entsprechend häufig. Über Taxis wird man übrigens noch reden müssen, da diese allen andereren Verkehrsmitteln (und auch den eigenen Füßen) regelmäßig den Rang ablaufen.

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